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Mein Schreiben ist von Anfang an von fĂĽnf Einsichten geleitet.
Erstens: Die kapitalistische Industriegesellschaft hat still und leise ihre Legitimation verloren, das heisst, es gibt keine unsere Gesellschaft tragende Rechtfertigung durch eine über das alltägliche
Funktionieren hinausweisende Zielsetzung mehr. Was einzig noch den Zusammenhalt stiftet, speist sich aus den wohlfahrtspolitischen Möglichkeiten des Wachstums. Seit Wachstum politisch nicht mehr zu garantieren ist,
tritt jenes Legitimationsdefizit mehr und mehr ins öffentliche Bewusstsein.
Zweitens: Statt die Probleme an ihren Wurzeln durch strukturpolitische Maßnahmen vorbeugend zu bekämpfen, ist die
Industriegesellschaft
mit Hilfe der Realpolitik seit Jahren dabei, die ungelösten Probleme in ein profitables Geschäft zu verwandeln oder späteren Generationen aufzubürden (siehe Buch: "Umweltpolitik des kleinsten Widerstands").
Damit dies nicht ins Bewusstsein der Menschen tritt, werden die Ursachen der sozialen, gesundheitlichen und ökologischen Mißstände durch übersteigerte Versachlichung entpolitisiert und durch
Psychologisierung dem Einzelnen in die Schuhe geschoben (siehe meine Bücher „Die Psychofalle“ und „Die Knechtschaft der Gewissensbisse“).
Viertens: Zwar ist formal die politische
Beteiligung der BĂĽrger garantiert, zugleich aber ist institutionell durch eine Vielzahl von Konsensbildungs- und Versachlichungsmechanismen dafĂĽr gesorgt, dass die in Erneuerungsbewegungen entstehenden
emanzipatorischen Willensbildungsprozesse im Raum privater Beliebigkeit verbleiben (siehe mein Buch „Rote Zelle-Ashram-Wall-Street“).
FĂĽnftens: Seit Jahren ist das
globalisierte Industriesystem dabei, nicht mehr nur die Arbeitskraft der Menschen, sondern die ganze Person in den „organischen“ Verwertungsprozeß der „atmenden Fabrik“ zu integrieren. Gerechtfertigt durch
eine Popularphilosophie, die auf der Idee der „Ganzheitlichkeit“ basiert. Sie ist nichts Anderes als eine pompös inszenierte Leere, die dem Einzelnen Selbstverdinglichung als Selbstverwirklichung verkauft
(siehe mein Buch „Komplex Ganzheitlichkeit – Karriere eines Bluff-Begriffs“).
Sechstens: Parallel hierzu ist eine
Bewusstseinshaltung entstanden, die ich als „therapeutischen Absurdismus“ bezeichne. Sie verhindert den Übergang vom Bewussten zum Gewussten und sorgt daher verlässlich dafür, dass Regression als Emanzipation
und Selbstausbeutung als „spirituelles Wachstum“ vergegenwärtigt werden. Ohne den „therapeutischen Absurdismus“ gäbe es das alltäglich beobachtbare Phänomen der „glücklichen
Selbstverdinglichung“ nicht; auch würde es niemand wagen Menschen als „Humankapital“ zu bezeichnen. Diese Zusammenhänge werden in meinem Manuskript „Die organisierte Obszönität,
Person-Humankapital-Plastinat“ analysiert.
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